Double Room with a view: The Peninsula Paris. Besuch einer Hotel-Ikone

Peninsula Paris

Double Room with a view: The Peninsula Paris. Mehr als vier Jahre dauerte der Umbau dieses Hauses zu einem der schönsten Hotels der französischen Hauptstadt, mehr als 450 Millionen Euro – so die Gerüchte – wurden investiert. Wir verlieben uns in ein Haus, dessen Zimmer in der Nebensaison mit 50 Prozent Rabatt angeboten werden. Für 605 Euro. Pro Nacht. Immerhin inkl. Frühstück. So verrückt es klingen mag: Es ist ein Schnäppchen…

ein Hotelportrait von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

 

Peninsula Paris

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Wenn man aus Hamburg oder Berlin kommt, ist es immer wieder verblüffend zu erleben, wie vollkommen anders die Dimensionen in den so genannten Welt-Metropolen sind. Die schiere Ausdehnung einer solchen Megapolis, ihr Verkehr, die Breite ihrer Straßen, die Höhe ihrer Häuser – und ihrer Hotelpreise. So wohnten wir zuletzt in einem ganz hübschen 3-Sterne-Hotelchen in Pariser Stadtviertel Montparnasse. Die Zimmer waren stylish, aber so winzig, dass man sich nur abwechselnd bewegen konnte. Einer zog sich an oder ging ins Bad, der andere lag wartend auf dem Bett. Dann wurde gewechselt. Dafür haben wir 149 Euro pro Nacht bezahlt. Und unsere in Paris lebenden Freunde meinten, das sei doch ein Schnäppchen.

Double Room with a view: mit Blick auf den Eiffelturm

Wie anders das Preisgefüge in deutschen Großstädten. Ein Zimmer im neuen Westin in der Hamburger Elbphilharmonie gibt es bereits um 200 Euro, in Berlin kann man in einem 5-Sterne-Haus noch günstiger wohnen. Wer dagegen in London im Luxus schwelgen will, dem werden für eine Nacht eher 350 Euro von der Kreditkarte abgebucht. Für ein First-Class-Haus in Top-Lage auch leicht doppelt so viel, etwa für das Four Seasons oder das Mandarin Oriental. Paris ist noch teurer als die Brexit-Metropole. Das Four Seasons ruft mehr als 1.000 pro Nacht auf, das Ritz bleibt nur knapp unter der 1.500 Euro-Marke. Umso verblüffender, dass ein Hotelbuchungsportal das Zimmer im Peninsula Paris für 605 Euro anbietet. Selbst die Standardzimmer hier sind größer als manche Wohnung in der Cité. Von einigen hat man einen wundervollen Blick auf den Eiffelturm. Das Hotel ist eine Ikone der Stadt.

Peninsula Paris

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The Peninsula Paris
Restaurants für Entdecker und Genießer: 
1. Brasserie Bofinger – französische Küche, klassisch und günstig
2. Musée d'Orsay – Yann Landureau zelebriert die Küche zur Kunst
3. Alain Ducasse – nicht nur in Frankreich ein Super-Star


Einst beherbergte das Gebäude das Hotel Majestic. Hier komponierte George Gershwin „Ein Amerikaner in Paris“. Im Zweiten Weltkriegs diente es der Wehrmacht als Hauptquartier, danach der UNESCO. Hier wurde der Friedensvertrag unterzeichnet, der den Vietnamkrieg beendete. 2008 übernahm die Peninsula-Gruppe das Haus. Die ist bekannt für die enorme Sorgfalt und Hingabe, mit der man sich Hotelprojekten zuwendet. Mehr als vier Jahre dauert die Renovierung. Die besten Restauratoren der Stadt arbeiten hier, Kunstwerke werden wieder hergestellt, Stuck aufgearbeitet, 40.000 Folien Blattgold angebracht. In jedem der 200 Zimmer verlegt man 2,5 Kilometer Kabel. Das Badezimmer verfügt über einen Nagellacktrockner, per App lassen sich die Vorhänge schließen und das Licht steuern. 450 Millionen Euro, so Gerüchte, soll die Renovierung gekostet haben.

Double Room with a view: Neu-Interpretation eines Grand-Hotels

Doch es könnte sogar mehr gewesen sein, wurde doch das Peninsula Paris ins Erdreich um drei Etagen erweitert. Und neben dem Sterne-Restaurant in der Dachterrasse hängt die penible Rekonstruktion einer PL 8 – mit dem von Pierre Levasseur entwickelten Doppeldecker wollten Charles Nungesser und François Colli als erste von Europa in die USA fliegen. Die beiden stürzten ab. Ihnen zur Ehre heißt das Restaurant „L’Oiseau Blanc“. Den Triumph des ersten Transatlantik-Fluges und das vom Hotelier Raymond Orteig ausgesetzte Preisgeld holte sich ein gewisser Charles Lindbergh. So wird der Gang durch dieses prächtige Haus auch eine Reise durch die Zeit. Und am Ende haben wir die konsequente Neu-Interpretation eines Grand Hotels kennen gelernt. Das perfekt ausbalancierte Nebeneinander von Vergangenheit und Moderne, Art Deco und High Tech.

Peninsula Paris

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Ein Hommage an das Grand Hotel ist der Afternoon-Tea. Erfahrene Kellner in weißen Jackets servieren Tee, Kaffee und Champagner. Sie stellen Etageren auf die Tische mit Sandwiches und Blinis, Muffins und Scones. Alles ist hausgemacht, auch die Konfitüren und die Clotted Cream. Wir schauen durch den großen Spiegelsaal mit den hohen Palmen und den glitzernden Kronleuchtern. Wir sehen dem Treiben der Kellner zu und lassen uns neue Snacks servieren. Erstaunlich viele junge Leute sitzen an den Tischen, beweisen wie instagramable ein solcher Nachmittag ist. Wir lauschen lässig gespielter Bar-Musik. „Stand by me“ intoniert die Sängerin im engen Kleid. Und wir freuen uns auf die Nacht im eleganten Bett. Ägyptische Baumwolle und die Kissen gefüllt mit Daunen aus der Normandie…


Ananatara Vilamoura, Algarve, Portugal. Ein Hotel-Beitrag von push:RESET.

Sie sagt: Das ist ein Hotel, in dem wahrlich jedes Detail zählt. Und die viele Kunst – ich bin beeindruckt.

Er sagt: Vor Beginn unserer Reise hat mir jemand gesagt, das Peninsula Paris sei eines der besten Hotels der Welt. Ich hielt das für übertrieben. Aber jetzt kann ich nur zustimmen…